So notwendig wie offen

Interoperabilität unter der Lupe – Interview mit Kim Becker, Dedalus HealthCare

„Interoperabilität verbessert die Patientenversorgung und ermöglicht es uns, sie nachhaltiger zu gestalten.“ Davon ist Kim Becker, Produktmanagerin bei Dedalus HealthCare, überzeugt. Weil interoperable Systeme nicht nur eine Verknüpfung und systemübergreifende Verfügbarkeit von Daten, sondern auch die weitere Nutzung für Forschung und Machine Learning gewährleisten. Was genau macht aber Interoperabilität aus und was braucht es dafür? Diese und weitere Fragen beantwortet Kim Becker im Interview.

So notwendig wie offen Interoperabilität unter der Lupe – Interview mit Kim Becker, Dedalus HealthCare „Interoperabilität verbessert die Patientenversorgung und ermöglicht es uns, sie nachhaltiger zu gestalten.“ Davon ist Kim Becker, Produktmanagerin bei Dedalus HealthCare, überzeugt. Weil interoperable Systeme nicht nur eine Verknüpfung und systemübergreifende Verfügbarkeit von Daten, sondern auch die weitere Nutzung für Forschung und Machine Learning gewährleisten. Was genau macht aber Interoperabilität aus und was braucht es dafür? Diese und weitere Fragen beantwortet Kim Becker im Interview.
Frau Becker, was ist eigentlich Interoperabilität?

Kim Becker: Interoperabilität heißt, dass verschiedene unabhängige Systeme nahtlos und fehlerfrei miteinander kommunizieren, Daten austauschen und diese gemeinsam nutzen können. Dazu unterscheiden wir drei Interoperabilitätsebenen. Die syntaktische Interoperabilität stellt den Datenaustausch zwischen Systemen auf Basis etablierter Standards wie DICOM, FHIR oder HL7 sicher. Die semantische Interoperabilität gewährleistet, dass die ausgetauschten Inhalte gegenseitig verstanden werden, wofür Nomenklaturen wie SNOMED CT (Systematized Nomenclature of Medicine – Clinical Terms) und LOINC (Logical Observation Identifiers Names and Codes) sorgen.
Die eigentliche Herausforderung aber ist die organisatorische oder prozessuale Interoperabilität, da sie weit über den reinen Datenaustausch hinausgeht. Sie bildet anhand gemeinsamer Prozesse und Prozessverantwortlichkeiten die anderen beiden Ebenen ab und sorgt dafür, dass eine übergreifende Zusammenarbeit zwischen den Akteuren überhaupt erst gelingen kann. Hier müssen auch Aspekte wie Governance und rechtliche Rahmenbedingungen aufeinander abgestimmt werden. Diese Ebene wird aber zu selten mitgedacht.

Wo beispielsweise?

K. Becker: In Deutschland etwa bei der elektronischen Patientenakte. Läge hier der Fokus eher auf der organisatorischen statt auf der technischen Ebene, hätten wir die Chance, übergreifende Prozesse neu zu denken und echte Mehrwerte für die Versorgung zu schaffen. Beim digital gestützten Medikationsprozess beispielsweise gilt aktuell für alle Systeme die gleiche Spezifikation, aber der Prozess wurde nie mitgedacht. Eine Technik wird auf die unterschiedlichen Prozesse in der Apotheke, der Ambulanz und den stationären Bereichen angewendet.

Eigentlich müsste man andersherum herangehen und fragen: Wer hat welche Verantwortlichkeiten im Prozess und wie können die dann technisch umgesetzt werden? Dann hätten wir die Chance, die Patientenversorgung nachhaltig zu optimieren.

Neben dieser zu technischen Sicht kranken wir auch an der strikten Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung. Beide Seiten arbeiten mit unterschiedlichen Katalogen, die wir dann semantisch mappen müssen. Das erschwert die Interoperabilität zusätzlich. Hinzu kommen in den Einrichtungen hauseigene Datenkataloge, die wir nachpflegen müssen, so dass sie auf die öffentlichen Spezifikationen passen. Hier müssen alle Beteiligten im Dialog schauen, wie wir eine gute Balance zwischen standardisierten Anwendungen und individuellen Konfigurationswünschen finden.

So notwendig wie offen Interoperabilität unter der Lupe – Interview mit Kim Becker, Dedalus HealthCare „Interoperabilität verbessert die Patientenversorgung und ermöglicht es uns, sie nachhaltiger zu gestalten.“ Davon ist Kim Becker, Produktmanagerin bei Dedalus HealthCare, überzeugt. Weil interoperable Systeme nicht nur eine Verknüpfung und systemübergreifende Verfügbarkeit von Daten, sondern auch die weitere Nutzung für Forschung und Machine Learning gewährleisten. Was genau macht aber Interoperabilität aus und was braucht es dafür? Diese und weitere Fragen beantwortet Kim Becker im Interview.
Viele Kliniken arbeiten mit gewachsenen IT-Landschaften und verschiedenen Drittsystemen. Wie geht Dedalus HealthCare als KIS-Anbieter mit diesen Herausforderungen um?

K. Becker: Das ist im Grunde kein Problem, allerdings sollten wir auch da mehr auf standardisierte Methoden setzen, beispielsweise ISiK oder HL7. Stattdessen müssen wir jede Systemeinführung als Einzelprojekt planen und abwickeln. Das funktioniert auf Dauer nicht. Wollen wir nachhaltig agieren, bedeutet das aber auch, dass man nicht mehr jede individuelle Schnittstelle entwickelt bekommt. Das soll bitte als klares Bekenntnis zu Standards verstanden werden!

Sind die Kliniken denn zu mehr Vereinheitlichung bereit?

K. Becker: Noch gibt es tatsächlich häufig den Widerstreit der Interessen. Auf der einen Seite das Management, das nach möglichst einheitlichen, konsistenten Systemen strebt, auf der anderen die Anwender, die jeweils das für ihre Arbeit beste System wollen. Auch wir sind in einem Zwiespalt, weil wir ja sowohl ein KIS als auch Subsysteme entwickeln.

Klar ist, dass Anbieter noch offener werden müssen. Gleichzeitig brauchen wir auf allen Seiten die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, um echte Interoperabilität zu ermöglichen. Grundsätzlich sollten wir uns stärker an europaweit etablierten Standards und Implementation Guides orientieren. Von gesetzgeberischer Seite würde ich mir wünschen, dass der Fokus weniger auf der Anzahl neuer Spezifikationen liegt, sondern stärker auf deren Praxistauglichkeit, Schlüssigkeit und Umsetzbarkeit.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Weiterentwicklung der Interoperabilität?

K. Becker: Wir stellen uns gerade nachhaltig auf, beispielsweise durch starke Partnerschaften in den Bereichen CDA, FHIR, SNOMED CT und LOINC. FHIR ist ein zentrales Thema für uns, da steigt die Zahl der Anfragen in vielen Ländern in Europa. Wir arbeiten an FHIR-Profilen über unser komplettes Produktportfolio hinweg, damit wir zum einen unsere eigenen Lösungen besser integrieren können, aber unseren Partnern auch standardisierte eigene Schnittstellen zur Verfügung stellen können.

Abschließende Frage: Wo sehen Sie Dedalus HealthCare bei der Interoperabilität in fünf Jahren?

K. Becker: Auf jeden Fall als einen noch deutlich offeneren und interoperableren Partner im Gesundheitswesen, mit einer klaren Strategie und verlässlichen Antworten auf die Herausforderungen der digitalen Vernetzung, basierend auf einer starken technologischen Grundlage. Zentrale Bausteine dieser Entwicklung werden der ORBIS Semantic Layer als konfigurierbares Datenmodell sowie unsere FHIR-basierten Interoperabilitätslösungen sein. Gleichzeitig gestalten wir Interoperabilitätsstandards, etwa im Rahmen von ISiK und der gematik, aktiv mit. Meiner Meinung nach gehört die Zukunft offenen Systemen. Geschlossene Lösungen werden ihren Mehrwert zunehmend rechtfertigen müssen.

 

Vielen Dank für den spannenden Austausch, Frau Becker.

Interview: Ralf Buchholz

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Kim Becker

Produktmanagerin

« Wir gestalten Interoperabilitätsstandards, etwa im Rahmen von ISiK und der gematik, aktiv mit. Meiner Meinung nach gehört die Zukunft offenen Systemen. Geschlossene Lösungen werden ihren Mehrwert zunehmend rechtfertigen müssen. »

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