KIS-Umstellung im Eiltempo

Klinikum Nürnberg löst IS-H in 14 Monaten durch ORBIS ab und setzt auf holistischen Systemansatz

Das Klinikum Nürnberg hat zum 1. Oktober 2025 sein Krankenhaus-Informationssystem (KIS) IS-H, das über zwei Jahrzehnte im Einsatz war, durch ORBIS von Dedalus HealthCare abgelöst. Das neue System deckt sowohl den klinischen als auch den administrativen Bereich samt Abrechnung ab. Die Einführungszeit betrug lediglich 14 Monate. Dr. Wolfgang Parsch, Gesamtprojektleiter KIS und KHZG-Programmleiter sowie Facharzt für Innere Medizin am Klinikum, weist darauf hin, dass das etablierte Altsystem als unfairer Maßstab für die neue Lösung dient: „Bereits in wenigen Jahren werden wir mit ORBIS deutlich weiter sein, als wir es vor einem Jahr waren.“

Die Entscheidung für ORBIS fiel nach einem wettbewerblichen Dialog mit verbindlichen Muss-Kriterien und Konzepten der Anbieter zu definierten Fragestellungen. Diese wurden gemeinsam mit Anwendern diskutiert. „Wir wollten bewusst offen in den Dialog mit den Anbietern gehen, auch um uns von den Ideen und Erfahrungen inspirieren zu lassen“, erklärt Dr. Parsch.

KIS-Umstellung im Eiltempo Klinikum Nürnberg löst IS-H in 14 Monaten durch ORBIS ab und setzt auf holistischen Systemansatz.

Dr. Wolfgang Parsch, Klinikum Nürnberg

Möglichst alles in einem System

Mit ORBIS verfolgt das Klinikum einen holistischen Systemansatz. Daten sollen auf einer einheitlichen Grundlage durch sämtliche Prozesse geführt werden – von der Notaufnahme über Arztbrief und Kodierung bis zur Abrechnung. Ziel sind weniger Doppelerfassungen, manuelle Eingaben, Schnittstellen und Subsysteme sowie ein geringerer technischer und personeller Aufwand. „Unserer Überzeugung nach ist der holistische Ansatz für Häuser, die unter zunehmendem wirtschaftlichem Druck stehen, der beste Weg, effizienter und kosteneffizienter zu werden“, sagt der Gesamtprojektleiter. Leitgedanke ist „Integration vor Funktion“: Statt für jede Abteilung die jeweils beste Einzellösung einzusetzen, setzt das Klinikum auf einen Best-of-Suite-Ansatz mit möglichst tief integrierten Anwendungen. Im Zuge der Umstellung wurden unter anderem Radiologie- und Kardiologie-Informationssystem, OP-Management, Notaufnahme und weitere kleinere Systeme ersetzt.

Einführung unter Druck

Das Klinikum Nürnberg hat ORBIS in einem „Big Bang“ eingeführt. „Ein holistisches System kann sein Potenzial erst vollständig ausspielen, wenn möglichst viele Komponenten vom selben Anbieter stammen und tief integriert sind. Ich bin davon überzeugt, dass wir so sehr früh bereits effizient gearbeitet haben“, so Dr. Parsch. Grund für die kurze Einführungszeit war das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG): „Da wir nicht Gefahr laufen wollten, Fördergelder zu verlieren, mussten wir zu Beginn des vierten Quartals 2025 auf das neue KIS umsteigen“, führt er aus. Viele Entscheidungen wurden top-down getroffen: „Eine basisdemokratische KIS-Einführung ist aufgrund der vielen Singularinteressen auch nicht möglich.“ Man folgte dem 80:20-Prinzip: 80 Prozent der Bereiche gut abgedeckt, in dem Wissen, dass 20 Prozent sich deutlich umstellen müssen.

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Changemanagement als Troubleshooting

Innerhalb von drei Monaten wurden rund 6.000 Nutzer geschult, unterstützt durch ein separates Test- und Schulungssystem sowie Key-User. Dr. Parsch betont: „Eine KIS-Umstellung ist nicht nur ein IT-Projekt, sie bedeutet im Wesentlichen auch Changemanagement. Ich war davon ausgegangen, dass die Anwender eher das Positive und die Erleichterungen am neuen System anerkennen würden. Einzelne sehen aber doch eher die Punkte, an denen ihnen das neue System noch mehr Arbeit macht.“ Da setzt er auf den Faktor Gewöhnung. „Im Laufe der Zeit wird den Nutzern dann auch bewusst, dass ORBIS viele Erleichterungen bietet.“ Als Beispiel nennt er den direkten Sprung zwischen verschiedenen Reitern in der Patientenakte statt des Umwegs über die Stationsübersicht. „Uns ist aber bewusst, dass es das perfekte System für alle Anwendergruppen nicht gibt“, räumt Dr. Parsch ein.

Gutes Miteinander als Erfolgsfaktor

Das partnerschaftliche Verhältnis zu Dedalus nennt er als Erfolgsfaktor: „Naturgemäß gab es mal unterschiedliche Ansichten und Differenzen. Aber am Ende haben wir beide an einem Strang gezogen – und zwar in dieselbe Richtung.

KIS-Umstellung im Eiltempo Klinikum Nürnberg löst IS-H in 14 Monaten durch ORBIS ab und setzt auf holistischen Systemansatz.

“ Sein Resümee: „So haben wir gemeinsam in 14 Monaten harter Arbeit mit viel Mühen und Abstimmung und nicht immer ohne Probleme bis heute das neue KIS etabliert.“ Aus Projektperspektive gilt die Einführung als Erfolg: Die Partner haben in sehr kurzer Zeit ein System eingeführt, das stabil läuft, mit dem die Anwender gut arbeiten können und durch das vieles besser funktioniert als vorher. Fortgesetzt wird die Partnerschaft mit Advanced Managed Services: „Damit gewährleisten wir den Datenschutz und sind unabhängig von Umgebungsbedingungen wie einem Strom- oder Netzwerkausfall. Wir bleiben immer arbeitsfähig“, betont Dr. Parsch.

Wichtige Schritte in der Digitalisierung

Auch beim Digitalisierungsgrad zeigt die Umstellung deutliche Auswirkungen. „Laut Digitalradar liegt unser Digitalisierungsgrad bei 79 Prozent – vor der ORBIS-Einführung waren es 34 Prozent“, so der Gesamtprojektleiter. Papierakten sind auf den Stationen nahezu verschwunden, monatlich werden rund 600.000 Blatt weniger ausgedruckt. Künftig sollen verstärkt Routineprozesse automatisiert werden. Im klinischen Bereich werden erste digitale Dokumente bereits automatisch weiterverarbeitet. In der Administration liegt der Fokus auf schnelleren Abrechnungsprozessen. Mit der KI-basierten Kodierunterstützung RICO soll perspektivisch ein relevanter Teil der Primärkodierung automatisiert werden. Darüber hinaus beobachtet das Klinikum Anwendungen wie Ambient Listening zur Vorformulierung von Anamnesen und Befunden sowie die KI-gestützte Epikrise, die ebenfalls eingesetzt werden soll.

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Dr. Wolfgang Parsch, Klinikum Nürnberg

Gesamtprojektleiter KIS und KHZG-Programmleiter sowie Facharzt für Innere Medizin

« Laut Digitalradar liegt unser Digitalisierungsgrad bei 79 Prozent – vor der ORBIS-Einführung waren es 34 Prozent. »

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